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Kitakrise – Was tun, wenn Emma keinen Platz in der Kita bekommt?

Bild © Unsplash.com

Es ist das dominierende Thema auf Spielplätzen und in den Krabbelgruppen der Kitas. Hast du schon einen Kita-Platz? Wer diese Frage mit einem Ja beantworten kann, wird staunend bewundert. Alle anderen telefonieren sich weiter die Finger wund, machen Termine bei Kita-Leitungen aus, bemühen sich darum, einen besonders guten Eindruck zu hinterlassen oder suchen nach Alternativen. Was tun, wenn man für das Kind keinen Kitaplatz findet? Wir suchen in diesem Beitrag nach Lösungen.

Die aktuelle Betreuungssituation für Kita-Kinder in Deutschland

Die Medien sprechen von einer Kitakrise in Deutschland. Mittlerweile hat die Vergabe der Plätze sogar schon skurrile Formen angenommen. So werden freie Plätze – etwa wenn das eigene Kind in die Schule kommt oder durch einen Umzug die Einrichtung wechselt – für 4-stellige Beträge bei eBay versteigert.

Im Sommer 2018 veröffentlichte eine frustrierte Mutter aus Berlin einen Auszug aus der schriftlichen Absage einer Kita. Darin heißt es:

„Wir haben bereits eine Ella. Aus Erfahrung gestaltet es sich im Alltag sehr schwierig mit zwei gleichnamigen Kindern.“

Eine Absage, weil das Kind den falschen Namen trägt und es nicht machbar scheint, um Kita-Alltag das richtige Kind anzusprechen. Die Kitas selbst nehmen sich scheinbar die Freiheit heraus, nach dem Nasenfaktor zu entscheiden, wer einen Platz bekommt und wer nicht. Doch wie kommt es eigentlich dazu, dass in Deutschland so ein Mangel an Kitaplätzen herrscht?

Wie viele Kitaplätze fehlen in Deutschland?

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln fehlen für etwa 1/10 aller Kinder in Deutschland die Betreuungsplätze. In Zahlen sind das 228.000 Plätze für Kinder unter 3 Jahren. Besonders stark betroffen sind die Bundesländer Bremen und Nordrhein-Westfalen, bei denen rund 14% der Kinder vergeblich auf einen Platz warten. In Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sind es immerhin nur rund 4 bis 5%.

Warum fehlen so viele Kitaplätze in Deutschland?

Es gibt verschiedene Hintergründe, die zu dem Betreuungsmangel geführt haben. Einerseits verzeichnet Deutschland steigende Geburtenzahlen. Frauen zwischen 30 und 37 Jahren bekommen häufiger Kinder. 2018 erreichte die Statistik mit 1,59 Kindern pro Frau einen Wert, der seit 1973 nicht mehr so hoch war. Hinzu kommt ein verschärfter Erziehermangel. Der Betreuungsschlüssel hat sich in vielen Bundesländern verbessert, um die Qualität der Betreuung zu optimieren. Auf der anderen Seite fehlen die Erzieher, um diesen Schlüssel überhaupt in der Praxis einhalten zu können. Ebenso spielt der Zuzug von Menschen aus anderen Ländern eine Rolle. Auch deren Kinder wollen in einer Kita betreut werden, um die Sprache zu lernen und sich besser integrieren zu können.

Recht versus Alltag: Wie gut lässt sich der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz umsetzen?

Per Gesetz hat jedes Kind ab dem 1. Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz oder die Betreuung bei einer Tagesmutter. Dem gegenüber steht die Praxis, in der viele Eltern trotz intensiver Bemühungen nur Absagen bekommen. Sie stehen auf zahlreichen Wartelisten auf Platz 83 und müssen ihren Arbeitgeber Monat für Monat vertrösten. Wie können diese Eltern in der Praxis ihren Rechtsanspruch durchsetzen?

So kannst du deinen Kitaplatz einklagen

Die Voraussetzung ist, dass du dich intensiv um einen Kitaplatz bemühst. Du musst diese Bemühungen auch nachweisen, indem du schriftliche Absagen sammelst und dir eine Excel anlegst, wann du welche Kita kontaktiert hast. Sind all diese Versuche erfolglos geblieben, gibt es für dich drei Möglichkeiten:

  • Du klagst einen Kitaplatz ein
  • Du klagst auf Übernahme privater Betreuungskosten
  • Du klagst auf Schadensersatz bei einem Verdienstausfall

Für die Aussicht auf eine erfolgreiche Klage musst du dich an die folgenden Schritte halten:

1. An das Jugendamt wenden

Wenn deine privaten Bemühungen erfolglos geblieben sind, dann wende dich an das Jugendamt. Das Jugendamt hat die Übersicht über alle Betreuungsplätze der Stadt und kann dir vielleicht sogar weiterhelfen. Hat sich nach 2 bis 3 Monaten nichts getan, dann folgt der nächste Schritt.

2. Widerspruch einlegen

Je nach Bundesland kannst du gegen einen Ablehnungsbescheid innerhalb von 4 Wochen Widerspruch einlegen. In einigen Bundesländern wird allerdings direkt Klage eingereicht, ohne dass es zuvor ein Widerspruchsverfahren gibt.

3. Klage im Eilverfahren

Wenn alle Bemühungen um einen Kitaplatz nicht gefruchtet haben, dann folgt eine Verpflichtungsklage vor dem Verwaltungsgericht gegen die Stadt. Du solltest unbedingt einen Antrag auf ein Eilverfahren stellen, weil sich der Streit andernfalls über Monate oder Jahre ziehen kann. Du brauchst dafür keinen Anwalt zu nehmen, Die Kosten für das Verfahren selbst muss die Stadt oder die Gemeinde tragen. Solltest du eine Rechtsschutzversicherung haben, kannst du dir auch einen Anwalt nehmen.

Es gibt keinen Anspruch auf eine Wunsch-Kita

Wenn dir im Rahmen deiner Klage dann eine Kita zugewiesen wird, darfst du diese nicht ablehnen. Es besteht kein Anspruch auf deine Wunschkita. Allerdings muss die Kita für dich mit öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb von 30 Minuten erreichbar sei. Außerdem darf die Entfernung zu deinem Wohnort nur etwa 5 Kilometer betragen.

Die Alternative zur Klage: Tipps, wie du doch noch eine Betreuung für dein Kind findest

Dein Arbeitgeber ruft beinahe täglich an und fragt, wann du nach deiner Elternzeit wieder zurück zur Arbeit kommen kannst? Wir haben ein paar Ideen gesammelt, was du tun kannst, wenn du keinen Kitaplatz findest.

Freunde und Nachbarn fragen

Oft ist es zumindest für die Übergangszeit möglich, wieder halbtags zu arbeiten, wenn Verwandte, Nachbarn und Freunde mithelfen. Mach dir eine Liste mit Menschen, denen du dein Kind anvertrauen würdest und frage sie, ob sie helfen können. Wenn jeder sich ein bisschen beteiligt, kommen ganz sicher ein paar Stunden freie Zeit in der Woche zusammen und du kannst deinen Wiedereinstieg in den Job planen.

Private Betreuer finden

Über Portale wie Yoopies kannst du schnell zuverlässige, private Betreuer finden. Auf dem Portal präsentieren sich die Kandidaten mit Bildern und einem umfassenden Portfolio zu ihren bisherigen Erfahrungen und werden auch von anderen Eltern bewertet. Du kannst mit den Betreuern ganz flexibel eine Betreuungszeit vereinbaren – von einem gelegentlichen Babysitting bis zu einer Vollzeit-Betreuung. Die Abrechnung erfolgt ganz bequem über unser Portal. Du bekommst eine Rechnung, die du bei der Steuer geltend machen kannst. Hast du bereits eine Klage eingereicht, dann bekommst du die Betreuungskosten mit etwas Glück sogar in voller Höhe erstattet.

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