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Großtagespflege – zwischen Kita und Tagesmutter

Bild © Pexels.com

Unter der Großtagespflege, einer recht unbekannten Form der Kinderbetreuung, versteht man für gewöhnlich die gleichzeitige Betreuung von mehr als 5 Kindern durch zwei oder mehr Kindertagespflegepersonen. Obwohl es die Großtagespflege in Deutschland schon über 10 Jahre gibt, ist sie noch recht unverbreitet und findet erst so langsam Akzeptanz in der Gesellschaft. Sowohl Tagespflegepersonen als auch Eltern sind sich noch nicht wirklich sicher, wie der Zusammenschluss von mehreren Tageseltern funktioniert. Die rechtlichen Grundlagen sind in den Bundesländern und Kommunen zum Teil sehr unterschiedlich und in manchen Bundesländern gibt es die Großtagespflege als eine Form der Kindertagespflege noch gar nicht.

Die Grundlagen dieses Betreuungsmodells sind einfach: In der Großtagespflege schließen sich mindestens zwei Tagespflegepersonen zusammen, mieten gemeinsame Räume an und betreuen zeitgleich zusammen mehr als fünf Kinder. In den meisten Bundesländern muss mindestens eine der beiden Betreuungspersonen zur pädagogischen Fachkraft ausgebildet sein, wenn mehr als neun Kinder betreut werden. Die zweite Betreuungsperson kann eine Tagesmutter oder ein Tagesvater mit Pflegeerlaubnis vom Jugendamt sein. Sind die Kinder älter als drei Jahre kann die Gruppe gegebenenfalls, je nach landesrechtlichen Bestimmungen, auch größer sein. Im Grunde findet sich die Großtagespflege also zwischen dem Modell der Tageseltern und einer Kita, bzw. einem Kindergarten oder Hort. Für viele ausgebildete Erzieherinnen ist es ein guter Schritt in die Selbstständigkeit und für die Eltern bietet das „Vier-Augen-Prinzip“ mehr Sicherheit. Denn vier Augen sehen nicht nur mehr als zwei, sondern mehrere Betreuer bieten auch einen größeren Schutz, beispielsweise vor Missbrauch. Intern sichern sich die Betreuungspersonen dafür bei Streitigkeiten mit den Familien besser ab, da es immer noch einen Zeugen gibt.  

Unterschiede zur klassischen Kindertagespflege

In der klassischen Tagespflege sind die Gruppen der betreuten Kinder kleiner. Das kann für viele Kinder vorteilhaft sein, besonders wenn sie noch schüchtern und verängstigt in großen Gruppen sind. Zudem arbeiten die meisten Tageseltern im eigenen Haushalt, wodurch ihnen nur geringe Mehrkosten entstehen. Für die Kinder bietet das ein häusliches Umfeld. Vorteile der Großtagespflege sind die Möglichkeit zur freien Gestaltung der Betreuungsräumlichkeiten. Die normale Wohnung muss nicht extra umgestaltet werden, die Kinder haben keine Verbotszonen und lernen sich schneller außerhalb von häuslichen Umgebungen zurecht zu finden. Ein weiterer Vorteil ist es, dass immer mindestens 2 Betreuer anwesend sind. So kann sich einer um die Vorbereitung des Mittagessens kümmern, während ein anderer sich mit den Kindern beschäftigt, sofern dies nach landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist. Die Zubereitung von ausgewogenen Mahlzeiten ist so entsprechend einfacher als wenn eine Tagesmutter kochen und gleichzeitig nach den Kindern schauen muss.

Die individuelle Förderung der Kinder kann in der Großtagespflege und bei Tageseltern gleich gut gewährleistet werden. Hier kommt es vor allem auf die Persönlichkeit und das Organisationstalent der Pflegepersonen und die Gruppenzusammenstellung an. Auch ob Spielkameraden in der gleichen Altersstufe mit ähnlichen Interessen schnell gefunden werden können, hängt von der Zusammenstellung der jeweiligen Gruppe ab. Einem 4-jährigen Jungen, der Pilot spielen will, ist weder in einer kleinen Gruppe mit 4 Mädchen im Alter von 2 Jahren geholfen, noch in einer Gruppe von 10 Kindern von denen alle viel älter oder jünger sind und sich niemand für das Fliegen interessiert. Ein Mädchen, dass sich beispielsweise für Fußball begeistert, ist hingegen in einer sportlichen Gruppe besser aufgehoben als in einer Gruppe von Prinzessinnen. Auch Betreuer, die mit den Kindern nicht nach draußen zum Ballspielen gehen, wären kontraproduktiv. Hier gilt es, für jedes Kind die richtige Gruppe und Betreuungsperson zu finden.

Ein Vorteil der Großtagespflege ist die bessere Möglichkeit zum fachlichen Austausch der Betreuungspersonen. Diese haben oft verschiedene Ausbildungen, der berufliche Hintergrund ist anders und die Erfahrungen, die sie im Laufe der Zeit gesammelt haben, könnten wohl unterschiedlicher nicht sein. Allerdings treffen sich auch viele Tageseltern zu bestimmten Zeiten draußen auf Spielplätzen. Auch hier findet ein reger Erfahrungsaustausch statt, mehrere Kinder kommen zusammen und mehrere Personen passen auf ihre Schützlinge auf.

Der größte Unterschied zu Kindergärten oder Kinderkrippen hingegen ist vor allem der Betreuungsschlüssel. In München liegt dieser z. B. im Kindergarten bei 1 zu 12,5, was bedeutet, dass auf eine Gruppe von 25 Kindern zwei Pflegepersonen kommen, von denen eine ausgebildete Erzieherin sein muss. In einer Kinderkrippe ist der Betreuungsschlüssel 2 zu 12. Das bedeutet, dass 2 Erzieherinnen oder Kinderpflegerinnen 12 Kinder betreuen. Eine der Betreuungspersonen muss wiederum eine Ausbildung zum/zur Erzieher/in abgeschlossen haben.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Je nach Bundesland können sich die Rahmenbedingungen deutlich unterscheiden. So ist an einem Ort eine Gruppe mit maximal 9 Kindern und 2 Betreuern in einem Raum ok, an einem anderen müssen pro 5 Kinder ein eigener Raum mit zugewiesener Betreuungsperson bereitstehen. Inwiefern die Großtagespflege bei Dir besteht und welche Rahmenbedingungen es gibt, erfährst Du bei Deinem örtlichen Jugendamt.

In Baden-Württemberg gilt beispielsweise folgende Regelung für die Großtagespflege: Schließen sich mindestens zwei Tagesmütter/Tagesväter zusammen, können sie bis zu sieben Kinder zeitgleich betreuen. Verfügt mindestens eine der beiden Betreuungspersonen über eine staatlich anerkannte pädagogische Ausbildung (z. B. Erzieher/in), dürfen neun Kinder zeitgleich und bis zu zwölf Kinder bei zeitlicher Aufteilung der Plätze betreut werden.

In Bayern verhält sich das Ganze etwas anders:

Zwei bis maximal drei Tagespflegepersonen schließen sich zusammen und betreuen gleichzeitig sechs bis maximal zehn Kinder, die ihnen persönlich und vertraglich zugeordnet sind. Ab dem neunten zu betreuenden Kind, muss auch hier mindestens eine der Pflegepersonen eine pädagogische Fachkraft sein. Die Zahl der insgesamt möglichen Betreuungsverhältnisse ist seit dem 01.01.2013 auch gesetzlich auf maximal 16 begrenzt (Art. 9 BayKiBiG). In der Großtagespflege zählen grundsätzlich alle anwesenden Kinder, auch eigene. Bei der Betreuung von mehr als insgesamt 16 oder mehr als zeitgleich 10 Kindern handelt es sich um eine erlaubnispflichtige Einrichtung nach § 45 SGB VIII.

Wenn Du Dich also für einen Beruf in der Kindergroßtagespflege interessierst, oder diese Betreuungsform für Deine Kinder in Betracht ziehst, solltest Du Dich beim örtlichen Jugendamt erkundigen, ob es diese Betreuungsform in Deinem Ort gibt und welche Rahmenbedingungen gelten. Hier kann Dir auch über eine Förderung der Kosten Auskunft gegeben werden.

Voraussetzungen und Qualifikation

Die Mindestqualifikation, die eine Betreuungsperson in der Kindergroßtagespflege vorweisen muss, ist die Pflegeerlaubnis, wie sie auch Tageseltern benötigen. Je nach landesrechtlichen Bestimmungen und Anzahl der zu betreuenden Kinder muss mindestens eine der Betreuungspersonen zudem über eine pädagogische Ausbildung, wie zum Beispiel als Erzieher/in verfügen. Die Pflegeerlaubnis wird vom Jugendamt erteilt. Hierfür werden in der Regel ein Kurs über 160 Unterrichtsstunden, ein Erste-Hilfe-Kurs für Säuglinge und Kinder und geeignete Räumlichkeiten benötigt.

Dazu kommt die persönliche Eignung:

Eine glaubhafte Motivation an der Erziehung, Betreuung und Bildung von Kindern.

Erfahrung und Freude im Umgang mit Kindern.

Liebevoller und gewaltfreier - physisch sowie psychisch - Kontakt mit Kindern, Geduld und Verständnis.

Polizeiliches Führungszeugnis und ärztliche Untersuchung.

Belastungsfähigkeit

und gute Sprachkenntnisse.

Fort- und Weiterbildungen gehören genauso zum Berufsbild der Großtagespflegeperson wie die Bereitschaft mit dem Jugendamt zum Wohl der Kinder zusammen zu arbeiten.

Geeignete Räumlichkeiten

Darüber hinaus müssen die Räume kindgerecht gestaltet sein. Hierzu zählen eine kindgerechte, ansprechende Ausstattung der Räume und die Sicherheit der zu betreuenden Kinder. Die Räumlichkeiten können in Wohn- oder Gewerberäumen angemietet werden, dürfen sich aber nicht im privat genutzten Wohnraum befinden. Die Räume für die Großtagespflege müssen also strikt von privatem Wohnraum getrennt sein. Zudem ist für viele Gewerberäume und Wohnräume eine Baugenehmigung für die Nutzungsänderung durch die Lokalbaukommission erforderlich. Wenn Wohnraum genutzt werden soll, ist zudem vielerorts eine Zweckentfremdungsgenehmigung erforderlich. Zu beachten sind zudem auch kommunale Stellplatzverordnungen.

Die Ausstattung der Räume sollte ungestörte Selbstbildungsprozesse ermöglichen, eine bildungsreiche Umgebung schaffen, viele Spielmöglichkeiten haben, Rückzugs- und Schlafgelegenheiten bieten und sicher gestaltet sein. Darüber hinaus werden natürlich eine Küche oder Küchenzeile, ein Essbereich, mindestens ein Sanitärraum, Büromöglichkeiten mit abschließbarem Aktenschrank und ein möglichst barrierefreier Zugang benötigt. Für die Betreuung von bis zu zehn Kindern veranschlagt die Landeshauptstadt München beispielsweise 80 – 100 m².

Zudem muss zusätzlich zum Eingangsbereich ein zweiter Fluchtweg bestehen und sofern kein eigener Außenbereich zur Verfügung steht, muss ein Spielplatz in der Nähe gut und sicher zu erreichen sein. Die Raumabnahme erfolgt vom Jugendamt der jeweiligen Kommune als Teil der Erteilung einer Pflegeerlaubnis.

Nahrungsmittelzubereitung und Hygiene

Bei der Arbeit mit Kindern muss auf eine besondere Hygiene und Sorgfalt geachtet werden. Besonders im Umgang mit Lebensmitteln und bei der Körperhygiene der Kinder ist es wichtig. äußerst penibel vorzugehen. Inwiefern die Zubereitung von Mahlzeiten während der Betreuungszeit durch die Betreuungspersonen umsetzbar ist, kann Dir das Jugendamt genauer erläutern. Ob besondere Schulungen im Bereich Gesundheit und Hygiene verlangt werden, erfährst Du auch beim Jugendamt.

Bei Yoopies könnt Ihr Eure Großtagespflege anmelden und Kontakt mit suchenden Eltern aufnehmen. Eltern können natürlich auch jederzeit interessante Pflegestellen kontaktieren.

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